Kolumne des Bürgermeisters 02|26
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
ich möchte die Gelegenheit nutzen, auf ein wichtiges Thema hinzuweisen. Noch vor Weihnachten haben die Bürgermeisterin und die Bürgermeister des Landkreises ein gemeinsames Zeichen gesetzt und auf die finanzielle Schieflage im Bereich der Kindertagesbetreuung hingewiesen. Anlass ist die unserer Meinung nach wachsende Diskrepanz zwischen den gesetzlichen Vorgaben zur Qualitätssicherung in den Kitas und den realen finanziellen Möglichkeiten der Kommunen.
Das Kita-Qualitätsgesetz formuliert hierfür bundesweit wichtige und richtige Qualitätsziele. Wir unterstützen die Ziele der Qualitätsentwicklung im Kita-Bereich uneingeschränkt – denn gute frühkindliche Bildung ist eine Investition in die Zukunft unserer Kinder.
Gleichzeitig kritisieren wir Bürgermeister jedoch, dass über die Finanzierung dieser Qualitätsvorgaben kaum jemand spricht. Während neue Qualitätsstandards beschlossen werden, bleiben die Kommunen mit den wachsenden Kosten weitgehend allein zurück. Wer Aufgaben überträgt, muss die Kosten vollständig tragen. Dieses Grundprinzip, die Konnexität, wird im Kita-Bereich systematisch unterlaufen. Die Landeszuschüsse reichen bei weitem nicht aus, um ein finanzielles Auskommen darzustellen. Auch die Elternbeiträge können und dürfen nicht ins Unermessliche steigen.
Die Kommunen sind dadurch immer stärker gezwungen, enorme Haushaltsmittel aufzuwenden.
Lange Zeit hat unausgesprochen und richtungsweisend das Ziel der sogenannten Drittellösung gegolten: Je ein Drittel der Kosten übernehmen Land, Kommune und Eltern. Diese Zielmarke existiert faktisch nicht mehr. Heute tragen die Kommunen den Löwenanteil. Der durchschnittliche Deckungsbeitrag durch Elternbeiträge und Landeszuschüsse liegt im Landkreis aktuell bei 32 Prozent. Dabei reicht die Spanne von einem geringsten Deckungsbeitrag von 11 Prozent in Allendorf (Lumda) bis zu einem höchsten Deckungsbeitrag von 39 Prozent in Grünberg, Laubach und Staufenberg.
Der überwiegende Teil der Kosten wird mittlerweile aus den kommunalen Haushalten getragen. In Reiskirchen sind das in diesem Jahr ca. 7 Millionen Euro. Wohlgemerkt ohne die Investitionen, die wir in diesem Bereich tätigen. Für die Kommunen im Landkreis Gießen ergibt sich dadurch folgende symbolische Rechnung: Der durchschnittliche „Kita-Gedenktag“ ist im Landkreis Gießen am 26. April 2026. Besonders deutlich wird die Spannweite: In Allendorf (Lumda) ist dieser Tag bereits am 9. Februar erreicht, in Staufenberg hingegen erst am 24. Mai. Daraus geht hervor: Der überwiegende Teil des Jahres wird die Kita-Betreuung auf Kosten der Allgemeinheit finanziert.
Für Reiskirchen liegt bei einem Kostendeckungsgrad von 33,5 Prozent der „Kita-Gedenktag“ auf dem 3. Mai 2026. Eine ausführliche Pressemitteilung dazu finden Sie auf der Homepage der Gemeinde.
Herzliche Grüße
Tobias Breidenbach
Bürgermeister