Was interessiert junge Menschen aus der Gemeinde Reiskirchen? Wie können sie sich in ihrer Gemeinde beteiligen? Was ist überhaupt eine Jugendvertretung?

Um diese und andere Fragen und um die Möglichkeiten, die das Projekt „DABEISEIN“ diesbezüglich bietet, ging es bei einem Treffen interessierter Jugendlicher und junger Erwachsener aus Reiskirchen am 06. Dezember 2019.

Zu diesem Treffen hatten Jugendpflege und Koordinierungs- und Fachstelle (KuF) von „DABEISEIN in den Gießener Lahntälern“ eingeladen. „DABEISEIN“, eine Partnerschaft für Demokratie im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“, welche im Lumdatal bereits seit 2017 existiert, wird ab 2020 um Reiskirchen und Buseck erweitert und als „DABEISEIN in den Gießener Lahntälern“ in Reiskirchen, Buseck, Rabenau, Allendorf/Lda., Staufenberg und Lollar aktiv sein. Neben der Aufgabe, die Beteiligung von Erwachsenen zu fördern, organisiert „DABEISEIN“ Kinder- und Jugendbeteiligungsprozessen in den teilnehmenden Gemeinden. Zudem stehen den Kinder- und Jugendvertretungen aus den teilnehmenden Gemeinden in einem sogenannten „Jugendforum“ eigene Projektmittel zur Verfügung. Beim Auftakt-Treffen am 06.12. konnten interessierte Kinder und Jugendliche aus den Ortsteilen von Reiskirchen zu Wort kommen.

In seinem Grußwort honorierte Bürgermeister Dietmar Kromm zunächst das Engagement der Jugendlichen in Vereinen und Jugendräumen und äußerte die Bereitschaft seitens der Kommunalpolitik, etwas für Jugendliche in der Gemeinde tun zu wollen. Hier gab er jedoch auch zu bedenken: „Wir wissen nicht immer, was die Jugendlichen brauchen“. Die Gremien der Gemeinde seien zum Teil stark überaltert und die Lebenswelt der Jugendlichen Vielen fremd. Er hoffe, dass sich mit Unterstützung der Jugendpflege und dem Projekt „DABEISEIN“ eine Jugendvertretung für Reiskirchen entwickeln könne.

Gruppenfoto
Zum Einstieg in das Treffen sollten sich die Jugendlichen und jungen Erwachsenen dann zunächst auf einer Skala zu verschiedenen Fragen positionieren: Wer kennt Kommunalpolitiker*innen? Wer war schon zu Gast auf einer Sitzung der Gemeindevertretung? In welchem Ortsteil werden Jugendliche in Entscheidungen mit eingebunden? Hieraus entstanden Diskussionen, in denen ein erster Überblick darüber gewonnen werden konnte, welche Beteiligungsformen bereits existieren und ob die relevanten Akteure bekannt sind.

Schnell ergab sich ein – je nach Ortsteil – sehr unterschiedliches Bild: Während einige Jugendliche bereits in Entscheidungsprozesse in ihren Ortsteilen eingebunden waren, waren Jugendlichen aus anderen Ortsteilen die Kommunalpolitiker*innen aus Reiskirchen unbekannt. Aus einem Schaubild wurde deutlich, dass viele Jugendliche sich der Kommunalpolitik eher fern fühlen – es gebe zwar die Bereitschaft seitens der Kommunalpolitik, Jugendliche zu erreichen, jedoch fehle oft der direkte Kontakt.

In den Ortsteilen der Gemeinde Reiskirchen gibt es nach Aussagen der Jugendlichen zudem jährliche Angebote für Kinder – aber wenige attraktive Angebote für Jugendliche und junge Erwachsene. Die Anwesenden äußerten ebenfalls, dass durch die oft erhebliche Altersdifferenz zu vielen Kommunalpolitiker*innen eine Vertretung der Interessen Jugendlicher erschwert sein könnte. Hierzu wurde jedoch auch die selbstkritische Frage geäußert: „Kennen wir unsere Interessen eigentlich selbst?“

Im weiteren Verlauf der Veranstaltung wurden daher Themen/Interessen und Ideen der Jugendlichen gesammelt. Nach kurzer Überlegung wurde schnell deutlich, dass es doch Verbesserungspotential gibt, um die Gemeinde Reiskirchen noch jugendfreundlicher zu machen: Die ÖPNV-Anbindung (vor allem am Wochenende ist es für viele Jugendlichen ohne Auto nicht möglich, den eigenen Ortsteil zu verlassen) und eine notwendige Neugestaltung mancher Jugendräume wurden angesprochen; auch W-Lan im Jugendraum Saasen war ein Thema. Einige wünschen sich auch, dass Jugendliche bei Entscheidungsprozessen zu Busverbindungen, aber auch z.B. bei der Planung des Windparks stärker miteinbezogen werden.

Im Anschluss an die „Bestandsaufnahme“ und Themen- und Ideenfindung hielten die Jugendlichen konkrete Schritte fest, wie die beteiligten Akteure ihren Teil zu mehr Jugendbeteiligung beitragen können: Schule müsse mehr über Kommunalpolitik informieren; Eltern sollten selbst Interesse am Geschehen im Ort zeigen, um ihren Kindern etwas mit auf den Weg zu geben; Kommunalpolitiker*innen sollten auch Kindern und Jugendlichen zuhören und auf diese über jugendgerechte Kommunikationskanäle zugehen; Ortsbeiräte sollten Jugendliche gezielt einladen und ggf. eine offene Sprechstunde für Jugendliche anbieten; Senior*innen sollten offen gegenüber den Bedürfnissen junger Menschen sein. Aber auch die Kinder und Jugendlichen selbst könnten etwas tun: Die SV sollte ihre Arbeit unter Schüler*innen bekannter machen, Kinder und Jugendliche sollten Ideen und Interessen entwickeln und diese auch kommunizieren (z.B. über Jugendvertretung) und bei der Umsetzung dieser mitarbeiten.

Wie können die Anliegen junger Menschen nun kommuniziert werden? Wie soll es im Jahr 2020 weitergehen?

Die gesammelten Projektideen, Themen und konkreten Beteiligungswünsche sollen in den kommenden Jahren als Leitpfosten auf dem Weg zu mehr Jugendbeteiligung und einer Jugendvertretung in Reiskirchen dienen und von den Jugendlichen mit Unterstützung durch die Koordinierungs- und Fachstelle von DABEISEIN und die Jugendpflege umgesetzt werden. Es wurde verabredet, sich zu Beginn des kommenden Jahres erneut zu treffen.

Bei Interesse am Aufbau der Kinder- und Jugendvertretung, Fragen und/oder Projektideen können sich junge Menschen (bis 27 Jahre) gerne bei der Jugendpflege unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder bei Franziska Ospald von der Koordinierungs- und Fachstelle von DABEISEIN unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! melden.Gruppenarbeit