Der Landkreis Gießen und die Kreiskommunen haben nun offiziell die Zusammenarbeit zur Umsetzung des Prostituiertenschutzgesetzes besiegelt. Der Landkreis übernimmt im Auftrag der Städte und Gemeinden – mit Ausnahme der Sonderstatusstadt Gießen - die gesetzlich vorgesehenen Aufgaben.

Kreis und Kommunen haben sich auf ein umfassendes Konzept der Interkommunalen Zusammenarbeit geeinigt. Neben der obligatorischen Anmeldung von Prostituierten und ihrer Arbeitsstätten kümmert sich der Landkreis nun zentral um weitere allgemeine Informations- und Beratungsgespräche. Er ist außerdem zuständig für eine Gesundheitsberatung. Dies alles sind Vorgaben aus dem Prostituiertenschutzgesetz.

Laut Gesetz ist der Kreis für die Umsetzung des Gesetzes in kleineren Kommunen bis 7500 Einwohner ohnehin verantwortlich, dies sind Allendorf (Lumda), Fernwald und Rabenau. Alle weiteren Kommunen – bis auf die Stadt Gießen – übertragen dem Landkreis nun ebenfalls diese Aufgabe. Die Kosten werden gedeckt durch Gebühren, die unter anderem für die Genehmigung von Bordellen erhoben werden, sowie anteilig über eine von den Kommunen zu entrichtende Gebührenumlage. „Wir schaffen so eine klare Zuständigkeit, bündeln die Kompetenzen und entlasten die Kommunen in einer zusätzlichen Pflichtaufgabe“, sagt Landrätin Anita Schneider.

Der Verein FIM (Frauenrecht ist Menschenrecht) mit Sitz in Frankfurt, der im vergangenen Jahr durch das Hessische Sozialministerium als Beratungspartner anerkannt wurde, kümmert sich nach einer vertraglichen Regelung mit dem Landkreis um die Beratungsangebote. FIM ist außerdem erfahren, was Streetwork-Angebote betrifft. Dem Team von FIM kommen dabei in vielen Fällen Szene- und Sprachkenntnisse zugute.

Das Prostituiertenschutzgesetz trat im Sommer 2017 in Kraft. Der Bundesgesetzgeber möchte damit Prostituierte in Deutschland besser vor Gewalt und Ausbeutung schützen, Menschenhandel und Zwangsprostitution bekämpfen.