Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger der Gemeinde Reiskirchen,

Weihnachten naht - wie jedes Jahr - mit großen Schritten und der Jahreswechsel steht unmittelbar vor der Tür. Doch dieses Jahr ist vieles ganz anders, als wir es sonst kennen.

Dieses Jahr wird sich jeder überlegen oder überlegt haben, wie er die Geschenke besorgen soll. „Gehe ich ins Geschäft oder bestelle ich online?“ Die vorweihnachtliche Zeit – sonst geprägt durch Weihnachtsfeiern, Weihnachtsmärkte und vielleicht auch Reisen in den Skiurlaub, wird es so nicht geben. Tägliche Einschränkungen bestimmen bedauerlicherweise unser Leben und unsere Lebensqualität. Besuche oder Treffen bei Verwandten und Freunden werden dieses Mal überschaubar sein. Traditionsreiche Veranstaltungen, wie das Weihnachtskonzert des Musikvereins oder die Weihnachtsmärkte in den Ortsteilen fallen aus. Noch nie wurde unsere Gesellschaft, seit Kriegsende, so reglementiert wie in diesem Jahr. Es fällt vielen sehr schwer, mit solchen Einschränkungen umzugehen und zurecht zu kommen. Denken wir nur an die Bewohner in den Seniorenheimen, die sich über jeden Besuch freuen – auch er ist reglementiert oder bleibt aus.  Unser soziales Leben befindet sich in einer totalen Schieflage. Und doch werbe ich um Verständnis für die ganzen Maßnahmen, die von Bund, Land oder von der Kommune getroffen wurden, um unsere Gesellschaft zu schützen. Das Corona - Virus kennt keine Grenzen, es kennt keine Weihnachten und es kennt auch keine Pause - es ist einfach nur präsent.

Die Infektionszahlen in den Sommermonaten gaben vielen Hoffnung, dass wir das Virus unter Kontrolle haben. Leider wurden wir durch die Herbstmonate eines Besseren belehrt. Wieder mussten Gastronomie, Fitnessstudios und sonstige Sportstädten schließen und wieder musste die Gemeinde die Nutzung von Bürgerhäusern, Hallen und Kindertagesstätten reglementieren. Unsere Vereine wissen nicht, wie und ob sie die Krise überstehen werden. Die Krise erreichte allerdings nicht nur unsere Bürger*innen, Unternehmen und Vereine, auch die Gemeinde Reiskirchen wurde durch hohe Gewerbesteuerausfälle finanziell mächtig durchgeschüttelt. Glücklicherweise hat das Land Hessen für 2020 Gelder zur Kompensierung der Gewerbesteuerausfälle bereitgestellt. Allerdings flossen die Gelder erst im Monat November, was die Liquidität der Gemeinde beeinträchtigte. Trotz der krisenhaften Zeiten und den damit verbundenen finanziellen Einbußen hat die Gemeinde dringend notwendige Investitionen nicht gestoppt. So konnten in Reiskirchen die Freiherr - vom – Stein Straße, ab dem Bahnübergang in Richtung B49, saniert werden. Im Ortsteil Bersrod wurde die Berggartenstraße saniert. In Ettingshausen wurde die Pamlerbrücke komplett saniert, obwohl eine Teilsanierung zunächst vorgesehen war. Doch erst als die Tragbalken der Holzbrücke frei lagen, konnte man sehen, dass diese, aufgrund falscher Herstellung, verfault und daher nicht mehr tragfähig waren. In Saasen, Ettingshausen und Burkhardsfelden wurden im Rahmen der Feldwegesanierung Maßnahmen in Höhe von ca. 380.000€ durchgeführt. Der sehr beliebte Radweg R7 von Lindenstruth nach Saasen wurde teilsaniert. Der Radweg R6, von Ettingshausen nach Lich, wurde ebenfalls verbessert. Für die Aufrechterhaltung einer beständigen Trinkwasserversorgung wurden die Brunnen Hattenrod und Ettingshausen regeneriert und saniert. Zudem wurde dafür eine ca. zwei Kilometer lange Trinkwasserleitung von Ettingshausen / Fluplatzsiedlung, nach Ettingshausen zum Hochbehälter gelegt. Dadurch ist der Ortsteil Ettingshausen, der vorher nur einen eigenen Brunnen als Trinkwasserquelle hatte, auch mit einer externen Versorgung gesichert. Des Weiteren wurden kleinere Maßnahmen umgesetzt, die unsere Liegenschaften aufwerten. So wurde der Grüne Saal im Bürgerhaus Reiskirchen vor kurzem mit einer neuen Wandverkleidung versehen. Es müssen noch kleinere Arbeiten durchgeführt werden, bis die Maßnahme beendet ist.

Mit der Bahn und dem RMV wurde eine Vereinbarung getroffen, mit dem Ziel, einen einfacheren Zugang zum Gleis 1 zu bekommen. Leider konnte die Baumaßnahme noch nicht umgesetzt werden, jedoch bin ich zuversichtlich, dass es nicht mehr allzu lange dauert, bis der neue Zugang genutzt werden kann.

Die Aussichten für das kommende Jahr sind aus finanzieller Sicht leider nicht so rosig. Die Gewerbesteuerentwicklung zeigt keine positiven Erwartungen. In den vergangenen Jahren waren die Gewerbesteuereinnahmen erfreulich, umso mehr sind die Ausfälle durch Corona schon jetzt dramatisch. Der Gemeinde fehlen ca. 1.500.000€ um den Haushaltsausgleich zu schaffen. Trotz dieser großen Lücke, die wir aus Rücklagen decken können, wird es in 2021 keine Steuererhöhungen geben. Ebenso werden wir versuchen unsere Standards zu halten. Da die Infrastruktur im Bereich der Straßen nicht vernachlässigt werden darf, ist für 2021 die Gartenstraße in Reiskirchen im oberen Teil zur Sanierung vorgesehen.

Um unseren Jüngsten ein gutes Betreuungsangebot anbieten zu können, wollen wir im Ortsteil Reiskirchen eine neue Kita eröffnen. Hier sollen drei Gruppen betreut werden, zwei davon für unter Dreijährige sowie eine altersübergreifende Gruppe sollen dort ihren Platz finden. Damit dürften die dringlichsten Probleme, einen Kita - Platz in Reiskirchen zu finden, vorerst behoben sein. Gleichzeitig wollen wir an der Verbesserung der Kinderbetreuungssituation in der Gemeinde arbeiten. Dies sind nur ein paar wenige Auszüge aus dem Haushaltsplan 2021.

Doch nun zurück zum bevorstehenden Weihnachtsfest und dem Jahreswechsel. Weihnachten 2020 können wir leider nicht so begehen, wie wir es aus der Vergangenheit gewohnt sind. Möglicherweise können wir aufgrund der bestehenden Verordnungen nicht alle Familienmitglieder einladen. Dennoch sollten wir zuversichtlich sein, dass wir die Pandemie zeitnah bewältigen können und mit den bevorstehenden Impfungen möglichst wieder in einen Bereich kommen, den wir als „normal“ bezeichnen können.

Gesundheit ist ein sehr hohes Gut, welches wir mehr und mehr schätzen lernen. Leider kann man dieses hohe Gut nicht einfach kaufen; aber man kann jemandem wünschen, dass er gesund bleibt. Und daher wünsche ich allen Reiskirchener Bürger*innen für die Zukunft Gesundheit und Ihnen allen ein frohes Weihnachtsfest, bei dem wir uns an die bestehenden Einschränkungen halten. Für den Jahreswechsel erhoffe ich mir, dass Sie einen guten Start ins neue Jahr haben werden, verbunden mit dem Wunsch, dass wir bald wieder unbeschwert unserem Alltag und unseren Hobbies nachgehen können.

Herzlichst

Ihr Bürgermeister

Dietmar Kromm