154 Wohneinheiten wurden oder werden gefördert

Landkreis Gießen. Drei Jahre nach ihrer Gründung ist die SWS (Sozialer Wohnungsbau und Strukturförderung im Landkreis Gießen GmbH) mit der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum weiter auf Erfolgskurs: Die vom Landkreis und 15 Kreiskommunen getragene Gesellschaft hat bisher 154 Wohneinheiten nach der Richtlinie für sozialen Mietwohnungsbau gefördert oder sieht eine Förderung noch vor. Weitere 93 Wohneinheiten sind derzeit in Planung. Und auch beim Umbau von historischer oder erhaltenswerter Bausubstanz in bezahlbaren Wohnraum hat die SWS mittlerweile eine Reihe von Vorhaben ermöglicht. Mithilfe der Revitalisierungsrichtlinie entstehen insgesamt 15 Wohneinheiten -viele davon in alten Gebäuden, die prägend für die Ortskerne sind.

„Ausreichend bezahlbarer Wohnraum ist nötig, um unseren Landkreis attraktiv und zukunftsfähig aufzustellen“, sagt Landrätin Anita Schneider. Gerade die positive Bevölkerungsentwicklung, die Anforderungen einer älter werdenden Gesellschaft und die Förderung der Familienfreundlichkeit seien dabei wichtige Faktoren. „Wir müssen unsere Anstrengungen erhöhen, um mehr bezahlbaren Wohnraum für Familien, Senioren und Alleinstehende zu schaffen“, sagt Schneider: „Sozialer Wohnungsbau ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die ohne finanzielle Förderprogramme von Land und Bund kaum umsetzbar ist.“ Aber auch die Kommunen müssten sich gemeinsam mit Baugenossenschaften und privaten Investoren engagieren. „Dies ist für einzelne Kommunen nicht immer leicht. Mit dem interkommunalen Zusammenschluss in der SWS gelingt uns aber ein gemeinsames Vorgehen. Die SWS berät, begleitet und koordiniert, der Landkreis fördert passende Vorhaben.“

Mehr als zwei Millionen Euro Fördermittel

Allein im Jahr 2018 wurden durch die Richtlinie für sozialen Mietwohnungsbau Vorhaben mit insgesamt 2,06 Millionen Euro gefördert. Darunter bilden Wohnbauprojekte wie das in der Licher Jahnstraße mit 25 Wohneinheiten sowie das der AWO Lollar (Holzmühler Weg) und der Baugenossenschaft Busecker Tal (Auf der Riedstruth) mit jeweils 24 Wohneinheiten die größten. Für das laufende Jahr sind Wohnbauprojekte in Lindenstruth, Langgöns und Hausen zur Förderung vorgesehen. Für die in Hausen geplanten 16 Wohneinheiten der Horlofftaler Baugenossenschaft wird noch in diesem Monat der Förderantrag erwartet. Weitere 93 Wohneinheiten sind in der Planung, die meisten in Bauherrschaft von Genossenschaften und Kommunen.

„Die Vorhaben verteilen sich auf den ganzen Landkreis“, erklärt Jens Köhler, der im Dezember 2019 die Geschäftsführung der SWS GmbH übernommen hat. „Damit wird nicht nur dem Bedarf in den Gemeinden Rechnung getragen, sondern es wird auch der Wohnraumdruck auf das Ballungszentrum Gießen reduziert.“Bei allen Neubauvorhaben verlieren die SWS und der Landkreis alte Bausubstanz nicht aus dem Blick. Mit der vom Kreistag im vorigen Jahr beschlossenen Richtlinie zur Revitalisierung der Ortskerne wird die Schaffung von Wohnraum durch den Umbau und die Neunutzung historischer Bausubstanz gefördert. So werden Wohnraum geschaffen, drohender Leeerstand abgewendet und Ortskerne belebt. Eine Förderung beantragen kann jeder -vorausgesetzt, die Gesamtkosten des Vorhabens betragen mindestens 25.000 Euro. Der Landkreis gewährt bis zu 30 Prozent der förderfähigen Investitionskosten, maximal 75.000 Euro.

Rege Nachfrage nach Förderung für Revitalisierung von Altbauten

Nach dem Startschuss vorigen Herbst in Nieder-Bessingen, wo private Investoren vier Wohneinheiten mit insgesamt 184 Quadratmetern Wohnfläche in historischem Fachwerk schaffen, wurden in der letzten Gesellschafterversammlung der SWS GmbH vier weitere Revitalisierungsprojekte mit achtWohneinheiten und insgesamt über 773 Quadratmetern Wohnfläche dem Kreisausschuss zur Förderung empfohlen. „Mindestens drei weitere sind im Vorlauf“, erklärt SWS-Geschäftsführer Jens Köhler. Antragstellung und Information laufen über die Wohnraumförderstelle des Fachdienstes Bauaufsicht beim Landkreis (E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!).

Als weitere Aufgabe hat die SWS jetzt den Aufbau eines Leerstandsmanagements für die Mitgliedskommunen definiert. Das Amt für Bodenmanagement in Marburg wurde mit der Datenerhebung beauftragt. „Damit möchten wir gemeinsam mit den Kommunen zu einem Überblick kommen, um Bedarfe vor Ort mit potenziellen Flächen zusammenzuführen“, erklärt Landrätin Schneider.

Hintergrund: Die SWS GmbH

Die SWS GmbH wurde am 3. Juli 2017 gegründet. Mit Ausnahme von Allendorf (Lumda), Pohlheim und Gießen sind alle Kreiskommunen Mitglieder. Gießen deckt die Versorgung mit Sozialwohnungen über die städtische Wohnbau GmbH ab. Wohnbau und SWS arbeiten abgestimmt und ergänzend eng zusammen. Das Land Hessen gewährt für die vom Landkreis Gießen angestoßene interkommunale Zusammenarbeit in der SWS Zuschüsse: Für fünf Jahre und mehrere Projektphasen stehen insgesamt 100.000 Euro in Aussicht. Der Landkreis wird nach einem Gesellschafterbeschluss diese Mittel verwalten. Sie kommen als Förderung in gleicher Höhe dem sozialen Wohnungsbau in den Kommunen zugute.